Im Sommer fiel mir bei einem meiner Spaziergänge mit Fifi auf, dass in den Hecken am Feldrand im krassen Gegensatz zu früheren Jahren kaum ein Vogel mehr zu hören war. Die Stille war unserer mit Pestiziden und Herbiziden, Unmengen Dünger sowie Gülle um sich spritzenden Agrarindustrie zu verdanken, die zuverlässig für ein nie gekanntes Insektensterben sorgt, damit weiter billig Getreide und Fleisch zu Dumpingpreisen und unter EU-Fördersubventionen ins Ausland exportiert wird, was die dortigen Volkswirtschaften zu erliegen bringt und so auch zu einem Teil für die Flüchtlingsströme verantwortlich ist. Aber das soll hier nicht weiter erörtert werden.

Ich beschloß, das etwas geschehen muss und überlegte mir, wie ich den Garten langfristig umgestalten kann und was ich kurzfristig machen kann. Ich begann insgesamt sieben Futterstellen im Garten in katzensicherer Höhe einzurichten. Da die erwachsenen Vögel gut Samen (wie z. B. Sonnenblumenkerne) verdauen können, haben sie dadurch im Sommer die Möglichkeit, die wenigen vorhandenen Insekten ausschließlich ihrer Brut zu füttern, was deren Überlebenschancen erhöht. Glücklicherweise haben auch unsere Nachbarn viele Hecken und große Grünflächen, so dass es eine große zusammenhängende Grünfläche ergibt, wo sich für die Vögel Nist- und Aufenthaltsplätze sowie Trinkmöglichkeiten ergeben.

Langfristig habe ich darauf verzichtet, im Herbst alles aufzuräumen, so dass die Vögel an verschiedenen Stellen noch Samen finden können. Gerade habe ich gehört, dass man auch abgeblühte Zinnien stehen lassen soll, weil die Samenstände ein gutes Nahrungsmittel für die kleinsten Vögel wie Rotkehlchen und Zaunkönige sein sollen.

Anfang Oktober habe ich die Befüllung der Futterhäuser richtig aufgerüstet und kaufe die Sommenblumenkerne nunmehr in 25-kg-Säcken. Einen solchen Sack verfüttere ich in etwa einem Monat. Daneben habe ich noch Futterstationen mit Erdnüssen, Meisenknödeln und Weichfutter (bestehend aus Trockenobst, Haferflocken, Nüssen und Körnern).

Das große Futtern nach Füllen der Futterhäuser folgt meist demselben Ritus. Zuerst kommen die Blaumeisen. Die kleinen, zierlichen Blaumeisen sind die mutigsten und kommen zuerst. Nicht zu den Meisenknödeln, sondern zu den Sonnenblumenkernen und zu den Erdnüssen, seltener zum Weichfutter. Danach kommen die Kohlmeisen, dann die Haus- und Feldsperlinge und die verschiedenen Finken, der Erlenzeisig, der Girlitz und weitere kleine Kollegen.

Große Fans der Meisenknödel sind die Haus- und Feldsperlinge, die Finken, der Eichelhäher, der Kernbeißer, der Buntspecht, der Grauspecht und der Grünspecht. Sie vertilgen etwa 10 Meisenknödel in der Woche. Nur die Meisen ignorieren die Meisenknödel.

Überhaupt nicht an die Futterstationen kommen Amseln und Rotkehlchen. Diese suchen nur auf dem Boden, die Rotkehlchen vorzugsweise Weichfutter, die Amseln auch gern Sonnenblumenkerne. Ihnen sollte man geringe Futtermengen ausstreuen - aber nur soviel, wie auch kurzfristig vertilgt werden, damit nicht Reste liegenbleiben, die mit Kot verschmutzt werden, was wiederum das Risiko für Infektionskrankheiten steigert. Daneben ist es auch wichtig, eine möglichst große Freifläche um die Futterstellen zu haben, damit die Vögel rechtzeitig vor wildernden Katzen wegfliegen können und die Katzen keine Deckung zum Anpirschen haben.

Bisher habe ich für mein Projekt Piepmatz-Mensa ca. dreihundert € ausgegeben. Das erscheint mir für mein Empfinden derzeit sinnvoller, als bei den Unmengen von Spendenaufrufen überall eine kleine Summe zu geben, womit ich dann die nächste Brief-, Kugelschreiber-, Aufkleberflut finanziere. Der Spaß beim Beobachten dieser kleinen Kerle ist immens und ich tue was für mein direktes Umfeld. Bisher habe ich sechsundzwanzig verschiedene Vogelarten erkannt. Deshalb stehen bei mir im Küchenfenster inzwischen Feldstecher, Vogelbestimmungsbuch und Notizbuch.