Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in dieser Woche zwei arbeitnehmerfreundliche Urteile veröffentlicht. Der Anspruch auf Urlaub verfällt nicht ohne weiteres, wenn er vom Arbeitnehmer nicht geltend gemacht wird (Aktenzeichen: C-619/16 und C-684/16). Zugrundeliegende Fälle waren die eines Rechtsreferendars, der seinen Urlaub vor der Prüfung zum 2. Staatsexamen nicht mehr nehmen konnte, und eines Mitarbeiters des Max-Planck-Institutes, die beide aus ihrem Arbeitsverhältnis ausschieden und noch nicht alle zustehenden Urlaubstage genommen hatten. Beide beantragten eine finanzielle Vergütung, die der jeweilige Arbeitgeber ablehnte. Der EuGH entschied, dass der Urlaub nicht automatisch verfällt, wenn er nicht genommen wurde. Damit darf die Verantwortung nicht mehr allein dem Arbeitnehmer aufgebürdet werden, sondern der Arbeitgeber muss zukünftig dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer den Urlaub auch nimmt. Laut Aussagen des Deutschen Gewerkschaftsbundes handelt es sich hier um ein Massenphänomen: jeder dritte Arbeitnehmer soll auf Urlaubstage verzichten. Im anderen Urteil des EuGH wurde festgestellt, dass der Anspruch auf Urlaub vererblich ist (Aktenzeichen: C-569/16 und C-570/16).